Quer durch die Highlands auf meist nur einspurigen Sträßchen und durchs Gebirge, lernten wir die menschengeformte Landschaft kennen: Wiese für Schafe, lockere Wälder für Hirsche, Nasswiesen für Moorhühner. Wollindustrie gibt’s dort kaum noch, Hammelfleisch ist auch nur selten auf den Speisekarten, und Hirsche und Moorhühner dienen ausschließlich zur Jagd.
Die Landschaft ist so konsequent einzig für diese Zwecke gestaltet, daß wir z.B. keinen einzigen Vogel dort hörten. Naturbelassen würde ich das nicht nennen!
Schottland hat sie wirklich, jene Steinkreise aus den Highlander-Büchern für Zeit- und Fernreisen: Iris war ganz scharf drauf, aber als wir bei denen ankamen, schüttete es wie aus Kübeln – sonst hatten wir Sonnenwetter. Sie blieb also doch im Auto, wobei wir anderen die in Kreisform angeordneten Brocken im Kleinwagenformat besuchten. Der Kreis hatte grob 40 m Durchmesser, und in der Mitte das oben offene Steingrab beeindruckte noch mehr.
Nebendran waren noch weitere -aber kleinere - Steinkreise, deren Sinn ich darin sah, das sie halt doch nur dem Nahverkehr dienten. Bei den einspurigen Sträßchen quer durchs Highland gibt’s alle paarhundert Meter ausweichstellen abwechselnd für eine Fahrtrichtung. Weil man dort meilenweit die Autos kommen sieht, klappts fast immer reibungslos, daß man so aneinander vorbei kommt.
Schottland überzeugte uns, daß es ein Schlemmerland ist mit erstaunlichen Schokoladenüberraschungen. In Edinburgh ist dies der Futch, den wir bei seiner Entstehung beobachten und riechen konnten. Das ist eine schokomäßige Süßigkeit, die in sehr unterschiedlichen Würzungen und Krokant-Anteilen ganz appetitlich duftet. In einem kleinen Innenstadt-Ladenlokal köchelten 17 kg, die dann auf einen dicken, umrandeten Marmortisch gegossen wurden, wo sie nicht nur abkühlten sondern auch ständig durchgeknetet wurden. Sowas nahmen wir dann in dicken Scheiben mit, und verwunderlicherweise ist es noch nicht ganz alle!
Scottich Egg statt Leberkäsweckle: Das ist wohl die Schottische Fingerfood, alternativ zum Leberkäswecken oder dem Mettbrötchen. Das ist ein nicht ganz hartgekochtes Ei, ummanteltmit Hackfleisch und gar gebacken. Das ist dann eine Fingerfood-Kugel von etwa 8 cm Durchmesser.
Auffällig: Selbst im simpelsten Pub wurden wir bei jeder Essensbestellung vom Personal nach Allergien und Unverträglichkeiten gefragt.
In einem gemeinnützig organisierten Freilichtmuseum lernten wir alte Hausformen Schottlands handfest kennen. Die "Black Houses" waren wirklich schwarz vom Ruß, weil man keinen Rauchabzug einbaute. Den gabs erst in den "White Houses" der späteren Baukultur.
Einen Kaufladen aus den Dreißigern betreibt das Museum ebenfalls, in dem man selbstverständlich nicht mit Karte zahlen kann: Lakritz und Bombons aus den Gläsern nur gegen bar.
Aber der Hammer, das war dort die temperamentvolle Schulstunde auf dem Stand von 1937: Originalschultische mit originaler Einsaumöglichkeit und klare Ansage, was wir ABC-Schützen jetzt, in dieser Schulstunde, zu tun und zu lassen hätten - und keinesfalls den Torfballen mitzubringen vergessen, weil sonst die Bude kalt bleibt.
Originalunterricht mit Nachsprechen und jenen drei zentralen Lernaufgaben, alle drei mit R: reading, writing und rithmatic. 😉
Barrierefreiheit speziell für Rollstuhlfahrer nehmen die Schotten sehr ernst, und sogar in die große Kathedrale von Edinburgh führt eine Rollstuhlrampe seitlich der Portaltreppe und auch innerhalb der Kirche. Gleiches galt für nahezu jedes Lokal; und die hatten meist mehrere Ebenen, die auch mit Rampen verbunden waren.
Neun Tage sind für Schottland immer noch zu wenig, und es juckt uns, noch eine ähnliche Tour zu den Äußeren Hebriden zu planen. Die passenden Kontakte dazu haben wir ja schon!